Lehrpläne
Der Lernstoff in jeder Klassenstufe
| 1. Klasse | 2. Klasse | 3. Klasse | 4. Klasse | |
|---|---|---|---|---|
| Geschichte | Märchen | Legenden, Fabeln | Aus dem Alten Testament | Nordische Mythologie, Sagen der Heimat |
| Deutsch | Vom Bild zum Buchstaben, Schreibschrift, kleine Texte, Erzählungen | Erste Grammatik, Aufsätze, kleine Lektüren | ||
| Mathematik | Zahlen bis 20, Grundrechenarten, Zahlenverständnis | Zahlen bis 100, 1x1-Aufgaben, Uhrzeiten | Zahlen bis 1000, schriftliche Rechenverfahren | Bruchrechnen |
| Zeichnen | Einfache Formen | Symmetrie, Spiegelung | Vierseitige Symmetrie | Flechtmuster |
| Malen | Nass-in-Nass-Aquarell – Farben erleben, Tiere, Pflanzen, Szenen | |||
| Sachkunde | Erzählungen zu Pflanzen, Tieren, Steinen und Sternen | Handwerk, Hausbau, Ackerbau | Heimatkunde | |
| Fremdsprachen | Englisch | Zusätzlich Französisch mündlich | Schreiben, erste Lektüren | |
| Musik | Singen und Flöten im Klassenverband, Schulchor, musikalische Bilder | Erleben und Notieren von Melodien, Notenschrift, Kanon, Mehrstimmigkeit | ||
| Eurythmie | Thema: Märchen; Bewegung aus der Nachahmung | Thema: Tiergedichte; kompliziertere Formen | Themen: Schöpfung, Handwerk; Laut- und Tongebärden | Alliterationen schreiten, grammatikalische Formen |
| Sport | Reigen-, Kreis- und Fangspiele | Gymnastik, Akrobatik, Geräteturnen | ||
| Handarbeit | Stricken | Häkeln | Häkeln oder Stricken einer Mütze | Sticken mit Kreuzstich, Näharbeiten |
| Religion | Konfessioneller und freier Religionsunterricht | |||
| 5. Klasse | 6. Klasse | 7. Klasse | 8. Klasse | |
|---|---|---|---|---|
| Erzähltstoff / Geschichte | Alte Kulturen, Griechenland | Römische Geschichte, Mittelalter | Erfinder und Entdecker, Renaissance | Biografien, Geschichte bis zur Gegenwart |
| Deutsch | Wörtliche Rede, Erzählung | Satzbau, Lektüren, Bericht | Stilistik, Geschäftsbrief, Inhaltsangabe | Drama, Präsentation, Vortrag |
| Mathematik | Sachrechnen, Dezimalzahlen | Dreisatz, Prozent-, Zinsrechnen | Potenzen und Wurzeln, Terme | Gleichungslehre |
| Zeichnen | Freihandgeometrie | Geometrie, Schattenzeichnen | Perspektivisches Zeichnen | |
| Malen | Tiere, Pflanzen, Landschaften (Nass-in-Nass-Aquarell) | Schichttechnik, Kohle | ||
| Geografie | Deutschland und Europa | Kontinente und Meere | Landeskunde | Klima und Wetter |
| Biologie | Tier- und Pflanzenkunde | Ernährungs- und Gesundheitslehre | Mensch: Anatomie | |
| Chemie | – | – | Anorganische Chemie; Säuren, Laugen, Salze | Organische Chemie: Eiweiß, Zucker, Stärke; Seifen, Alkohol |
| Fremdsprachen | Englisch und Französisch | |||
| Musik | Intervalle, Harmonik, Rhythmik; Musikgeschichte; Mittelstufenorchester | |||
| Eurythmie | Rhythmen, Texte aus den Kulturepochen, Dur-Tonarten | Geometrische Formen, Intervallgebärden, Stabübungen | Balladen, Molltonarten, Musikstücke in Dur und Moll | Geometrische Verschiebungen, freie Formen |
| Sport | Schwimmen; Gymnastik, Geräteturnen, Leichtathletik, Sportspiele, Akrobatik | |||
| Handarbeit | Rundstricken | Entwerfen und Nähen von Tieren | Schuhe nähen | Nähen mit der Maschine |
| Werken | Schnitzen und Beilen; Holzarten kennenlernen; Löffel, Schale, Spielzeuge | |||
| Gartenbau | Schulgartenarbeit mit praktischem Biologieunterricht | |||
| Religion | Konfessioneller und freier Religionsunterricht | |||
| Theaterpädagogik | Fünftklass-Theaterstück | – | – | Achtklass-Theaterstück |
| Medienkunde | – | – | Medienkunde | Medienkunde |
| Praktika | – | – | – | Landschaftspflege- bzw. Forstpraktikum |
| Projektarbeiten | – | – | – | Achtklass-Jahresarbeit |
| 9. Klasse | 10. Klasse | 11. Klasse | 12. Klasse | |
|---|---|---|---|---|
| Deutsch | Humor und Tragik, Goethe u. Schiller | Sprachgeschichte | Entwicklungsroman | Goethes Faust, Prüfungs-vorbereitung |
| Mathematik | Kombinatorik, Gleichungen, Kegelschnitte, Flächenberechnung | Potenzrechnung, Logarithmen, Trigonometrie, Körperberechnung | analytische Geometrie; Einführung in die Differentialrechnung | Differential- und Integralrechnung, Vektorgeometrie |
| Geschichte | Neuzeit - Ideen, Impulse, Wirklichkeit | Alte Kulturen bis zur Antike | Wurzeln und Grundlagen des Abendlandes | Gegenwart, Globalisierung |
| Kunstgeschichte | Skulptur und Malerei von der Renaissance bis zur Gegenwart | Architektur | ||
| Biologie | Knochensystem, Nerven- und Sinnessystem | innere Organe | Genetik, Mikrobiologie, Mikroskopie | Embryologie, Evolution |
| Geographie | Paläogeographie, Vulkanismus | Klimatologie | Astronomie | Paläogeologie |
| Physik | Wärmelehre, Motoren, Elektroakustik | Mechanik | Elektrizität | geometrische und Wellen-Optik |
| Chemie | organische Chemie | anorganische Chemie | Elektrochemie, Periodensystem | Biochemie |
| Technologie | technisches Zeichnen | Informatik | CAD | |
| Fremdsprachen | Englisch und Französisch; Vertiefung der Grammatik, Wortschatzerweiterung, Lektüre-Arbeit, aktuelle Themen, Referate, Konversation | |||
| Musik | Musikgeschichte, Oberstufenchor | |||
| Eurythmie | Dissonanzen, dionysische und apollinische Formen in Gedichten | griechische Rhythmen und nordischer Stabreim, große Dichtungen und Kompositionen | Planetengebärden und Vokale; eigenständiges Gestalten von Gedichten und Musikstücken | Tierkreisgebärden und Vokale; Musik und Dichtung der Moderne; künstlerischer Abschluss |
| Sport | Gymnastik, Geräteturnen, Leichtathletik, Sportspiele, Akrobatik | |||
| Kunst | Plastizieren (Tiere), Hell/Dunkel-Zeichnen | Plastizieren (menschliche Figur), Zeichnen und Malen, Drucktechniken | Kunstprojekte | |
| Handarbeit | Schneidern, Korbflechten | Spinnen, Weben | Buchbinden | |
| Werken | Schreinern | Schreinern | Goldschmieden | |
| Gartenbau | – | Veredeln von Obstbäumen | – | – |
| Theater | – | – | – | 12.-Klasse-Theaterstück |
| Praktika | Landwirtschafts- praktikum | Vermessungs- praktikum, Berufs- praktikum | Sozialpraktikum | – |
| Projektarbeiten | – | – | 11.-Klasse-Jahresarbeit | – |
| Prüfungen | – | – | – | Realschul- abschluss, Fachhochschul- reife-Prüfung |
In der 13. Klasse findet die Vorbereitung auf das Abitur statt.
Besonderheiten des Waldorf-Unterrichts
Eltern haben uns immer wieder gefragt, was das Besondere an unserem Unterricht und unseren Unterrichtsinhalten ist. Wir verstehen uns als allgemeinbildende Schule und legen einen hohen Stellenwert auf alle klassischen Fächer, die konsequent nach waldorfpädagogischen und wissenschaftlichen Vorgaben unterrichtet werden. Auf Besonderheiten des Waldorf-Unterrichts möchten wir in drei Bereichen näher eingehen: bei Fremdsprachen, bei den praktisch-künstlerischen Fächern und bei den Naturwissenschaften.
Fremdsprachen
In der Waldorfpädagogik wird die Sprache als Ausdruck einer besonderen Welterfahrung erlebt und verstanden. Durch Fremdsprachen erschließt sich den Schülerinnen und Schülern ein anderer Kulturraum, durch den die eigene Sprache und Kultur neu wahrgenommen und verstanden werden kann.
In der Unterstufe beginnt der Unterricht in den Fremdsprachen einfach und spielerisch. In der frühen Kindheit sind die Nachahmungskräfte noch stark ausgeprägt und wirksam. In den ersten Jahren leben sich die Kinder hörend, spielend, sprechend und singend in den Klang und Charakter der fremden Sprache ein und differenzieren dadurch ihr Wahrnehmungs- und Ausdrucksvermögen. Englisch wird ab der ersten, Französisch ab der zweiten Klasse unterrichtet.
Ab der 4. Klasse lernen die Kinder die Fremdsprache im geschriebenen Wort kennen. Mit zunehmender Kenntnis der grammatikalischen Gesetzmäßigkeiten und wachsender Sprachfertigkeit erweitert sich das Feld der Übungs- und Anwendungsmöglichkeiten: Konversation, Bericht, Referat, Rezitation, Übersetzung, Übungen an Aufsätzen und Briefen sowie die Lektüre von Originaltexten geben den Schülern und Schülerinnen vielfältige Möglichkeiten, einen lebendigen Umgang mit der Sprache zu entwickeln und zu vertiefen.
Praktisch-künstlerische Fächer
Kunst, Praxis und Ästhetik spielen eine zentrale Rolle im Curriculum unserer Schule. Sie bilden einen bewussten Gegenpol zum kognitiven Lernen. Durch die Rhythmisierung von praktisch-künstlerischem und kognitiven Unterricht wird die ganzheitliche Entwicklung unserer Schülerinnen und Schüler gefördert und ihre Kreativität geschult.
Kunsterziehung und die Erziehung zur Ästhetik spielen bei uns ab der ersten Klasse eine wichtige Rolle. Vom Malen über das Zeichnen bis hin zu komplexen Drucktechniken wird den Schülerinnen und Schülern hier ein breites Angebot gemacht, sich ästhetisch und künstlerisch auszudrücken. Das Gestalten von ansprechenden Epochenheften ist ebenfalls Teil davon. Das plastische Gestalten mit verschiedenen Werkstoffen wird ab Klasse 9 intensiviert, ab Klasse 11 erhalten die Schülerinnen und Schüler Grundfertigkeiten in Goldschmieden und Buchbinden. Abgerundet wird der Kunstunterricht durch das Fach Kunstgeschichte, das ab Klasse 9 unterrichtet wird.
Musik an unserer Schule durchzieht viele Unterrichtsbereiche. Die Klassenlehrer beginnen ihren täglichen Unterricht mit Singen, Flöten oder rhythmischen Übungen. Die Fremdsprachenlehrkraft gestaltet in den unteren Klassen den Unterricht mit Liedern, Musik, Sprache und Spiel. Im Eurythmieunterricht wird Musik in geformte Bewegung umgesetzt.
Dazu kommen Chor- und Orchesterarbeit in der Mittel- und Oberstufe sowie die Grundlagen der Musiktheorie. Zahlreiche optionale Arbeitsgruppen runden das Angebot ab.
Eurythmie bedeutet im Wortsinn „schöne Bewegung“. Und so greift dieses Fach alle Elemente der Musik wie Melodie, Tonart, Töne, Intervall, Harmonie, Rhythmus und Takt auf und bringt diese durch künstlerische Bewegung zum sichtbaren Ausdruck. Das Fach Eurythmie steht in der Waldorfschule von der 1. bis zur 12. Klasse auf dem Lehrplan. Der Unterricht wird dabei stets von einem Klavierspieler begleitet.
Handarbeitsunterricht gibt es durchgehend von der Unter- bis in die Oberstufe. Die frühe Betätigung beider Hände trainiert nicht nur die manuelle Geschicklichkeit, sondern schult auch über beide Hirnhälften hinweg die Konzentration und damit das strukturelle und kreative Denken. Das Arbeiten an einem Werkstück über einen längeren Zeitraum trainiert zudem das Durchhaltevermögen der Schülerinnen und Schüler. Neben dem handwerklichen Arbeiten besteht im Handarbeitsunterricht auch der Anspruch, die Werkstücke kunstvoll und ihrem Zweck gemäß zu entwerfen und zu gestalten.
Das Fach „Gartenbau“ ist ein praktischer Biologieunterricht und in der Unterstufe eng verknüpft mit der Tierpflege. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, ein lebendiges Verhältnis zu ihrer Umwelt zu entwickeln und erlernen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.
In der Ackerbauepoche der Klasse 3 lernen die Schüler/-innen Naturzusammenhänge im Jahresablauf kennen. Sie pflügen ein Stück Land, säen und ernten das Getreide und verarbeiten das Korn zu Brot.
Ab der 6. Klasse beginnt der eigentliche Gartenbauunterricht. Hier steht für die Schüler/-innen das Erleben des Jahreslaufes mit den entsprechenden Aufgaben im Vordergrund. Zum praktischen Arbeiten kommt die Pflanzen- und Tierkunde hinzu.
Hauptthema in der 10. Klasse ist das Veredeln von Wildpflanzen. Der Unterschied von Wild- und Kulturpflanzen wird am Beispiel der Kulturgeschichte des Apfelbaumes dargestellt. Die Schüler/-innen setzen sich mit dem Verhältnis von Natur und Kultur auseinander und stellen sich die Frage, welche Aufgabe der Mensch heute gegenüber den Kulturpflanzen hat. Als praktische Arbeit veredeln die Schüler/-innen verschiedene Obstgehölze.
Im Rahmen des Gartenbauunterrichts werden zwei Praktika unter dem Aspekt „Arbeit mit der Natur“ absolviert. Die 7. Klasse geht gemeinsam für zwei Wochen ins Landschaftspflege-praktikum im Wald. Die Arbeit dort wird ergänzt durch Vorträge, Lehrwanderungen und Erfahrungsberichte. Im Landwirtschaftspraktikum arbeiten die Schüler/-innen der 9. Klasse drei Wochen auf einem Bio-Hof mit.
In der 5. Klasse fängt im Werkunterricht die Arbeit mit Holz an. Im Laufe der Jahre erlernen die Kinder und Jugendlichen im Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen grundlegende Fertigkeiten. Anfangs arbeiten sie mit dem Schnitzmesser, der Raspel und der Säge, später kommen Hohleisen, Ziehmesser und Beil hinzu. Maß und Form des Werkstücks werden von jeder Schülerin bzw. jedem Schüler individuell so gestaltet und geplant, dass das Werkstück nicht nur seine Funktion erfüllt, sondern darüber hinaus eine ästhetische Form erhält. Ab der Oberstufe werden beim Schreinern die Schritte der Holzverarbeitung und die verschiedenen Verbindungstechniken gelernt und im Möbelbau angewendet.
Das Fach Plastisches Gestalten wird ab Klasse 9 unterrichtet. Es setzt neue individuelle Gestaltungskräfte bei den Schülerinnen und Schülern frei, die künstlerisch-handwerklich genutzt werden können. Ausgehend von einfachen Grundübungen erlernen die Schüler/innen durch die Oberstufe hindurch die Gestaltung von freien plastisch-künstlerischen Formen. Das Fach Plastisches Gestalten ist in Klasse 12 eines der praktischen Prüfungsfächer für die Fachhochschulreife.
Im Fach Goldschmieden erlernen die Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 und 12 neben den Grundfertigkeiten wie Sägen, Feilen und Löten weitere Techniken wie das Emaillieren, Ziselieren oder auch das Fassen von Steinen. Sie stellen selbst entworfenen Schmuck her, den sie nach einer technischen Zeichnung detailgetreu umsetzen. Klares Planen, die Machbarkeit, ein gutes Formempfinden und handwerkliche Geschicklichkeit sind hier gefragt. Das Fach Goldschmieden ist in Klasse 12 eines der praktischen Prüfungsfächer für die Fachhochschulreife.
Beim Fach Buchbinden in den Klassen 11 und 12 können die Schülerinnen und Schüler ihre erlernten Fertigkeiten und Kenntnisse aus vielen Fächern der vergangenen Schuljahre einbringen und erproben. Aus genauer Wahrnehmung, konzentrierter Aufmerksamkeit, selbstständigem Denken und kontinuierlicher, selbstkritischer und sauberer Arbeit entstehen phantasievolle Werkstücke, deren zeitlose Schönheit und Qualität das Buchbinden an unserer Schule zum Kunsthandwerk werden lassen. Das Fach Buchbinden ist in Klasse 12 eines der praktischen Prüfungsfächer für die Fachhochschulreife.
Naturwissenschaften
Im naturwissenschaftlichen Unterricht orientieren sich die Themen und Methoden am Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler. Bereits in der Unterstufe nehmen die Naturwissenschaften mit der Tier-, Pflanzen- und Menschenkunde einen breiten Raum ein. In der Mittel- und Oberstufe wird der Unterricht mit neuen Fächern und Themen immer weiter diversifiziert und spezialisiert.
In der Tier-, Pflanzen- und Menschenkunde wird die Welt vor allem bildhaft und konkret erlebbar gemacht. Neben dem Unterricht im Klassenraum gehört auch der Gartenbau-Unterricht und die Arbeit mit den Tieren der Schulfarm dazu. Es geht um ein elementares „Be-Greifen“.
Insbesondere in der Ackerbauepoche erleben die Schülerinnen und Schüler von der Aussaat über die Pflege bis hin zum Ernten und Verarbeiten von Pflanzen die Grundlagen der biologischen Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln.
Die Fächer Geografie, Biologie, Physik und Chemie werden ab der Klasse 5 sukzessive eingeführt, und zwar Geografie und Biologie ab Klasse 5, Physik ab Klasse 6 sowie Chemie ab Klasse 7. Hier spielt im Unterricht die wache Wahrnehmungsfähigkeit eine große Rolle. In Physik und Chemie werden erste Gesetze vergleichend erkannt und die erlebten Versuche sorgfältig dokumentiert und nach elementaren Inhalten sortiert.
Daneben bleibt Gartenbau bis in die Oberstufe hinein ein wichtiges Fach. Es handelt sich hierbei um praktischen Biologieunterricht, der durch die vielfältige Arbeit mit der Natur das Fach Biologie in besonderer Art ergänzt.
In den Klassen 7 und 8 werden die Hauptunterricht-Epochen Mathematik von zwei Lehrkräften gemeinsam gestaltet. Dies ermöglicht den Schülerinnen und Schülern ein vertieftes Verständnis des Faches und es können damit – insbesondere für schwächere Schülerinnen und Schüler – Berührungsängste abgebaut werden.
In der Oberstufe geht es in Biologie, Physik, Chemie und Geografie immer mehr um eine selbständige begriffliche Auseinandersetzung mit den Erscheinungen. Der junge Mensch stellt sich selbst in Beziehung zur Welt und bildet somit eine Identität aus, mit der er sein eigenes Urteil bilden kann.
Den Ausgangspunkt bildet hierzu das Phänomen – das Experiment. Dabei werden die Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge der jeweiligen Naturwissenschaften aus der Anschauung von den Schülerinnen und Schülern eigenständig entdeckt, abgeleitet und – mit Hilfe der Lehrkraft – auch abstrahiert. Dadurch können verschiedene Erklärungsmodelle erkannt und in ihrer Relevanz und Bedeutung erfasst werden.
In der 10. Klasse findet ein zweiwöchiges Praktikum zur angewandten Mathematik statt. Die Schülerinnen und Schüler erfahren den realen Bezug der Mathematik zur Welt, indem sie ein größeres Stück Land mit Theodolit, Nivelliergeräten, Fluchtstangen und anderen Gerätschaften in Gruppen vermessen und aus den nachfolgenden Berechnungen eine exakte Karte zeichnen. Dabei werden trigonometrische Kenntnisse praktisch überprüft, vertieft und anschaulich dargestellt. Die Frage nach der Genauigkeit moderner Messtechniken wie zum Beispiel dem GPS wird auf diese Weise lebendig und kann kritisch überprüft werden.
Ein wichtiger Schwerpunkt des naturwissenschaftlichen Unterrichts in der 12. Klasse liegt bei dem Oberthema der „Schwingungen und Wellen“. Die Schülerinnen und Schüler erleben in ihrer Welt einen durchdachten Wechsel von Perspektiven als Bereicherung. Das Thema der sogenannten Harmonischen Schwingungszustände wird von Schüler/-innen erfahrungsgemäß gut aufgenommen. Dass das Experiment, zu dessen Beschreibung der mathematisch exakte Formalismus bekannt ist, auch durch Vereinfachungen zufriedenstellend beschrieben werden kann, ist ein besonderes Erlebnis. Das Foucault’sche Pendel ist hierfür ein gutes Beispiel.
Ein besonderes Highlight in der 13. Klasse bietet die Quantenmechanik, die das Denken des Schülers in maximaler Weise fordert und formt. Als besondere Krönung der naturwissenschaftlichen Schulzeit werden hier Denkmuster großer Forscher nachvollzogen, wobei die Grenzen der Modellvorstellungen deutlich werden und die Problematik der wissenschaftlichen Verkürzung erlebt werden kann.
Alle Abschlüsse möglich
Hauptschul- und Realschulabschluss, Fachhochschulreife und Abitur: An der Waldorfschule Schwäbisch Gmünd können alle in Deutschland möglichen Schulabschlüsse erworben werden – staatlich anerkannt. Ab Klasse 11 erfolgt eine Aufteilung der Klassen in Mittlere-Reife-, Fachhochschulreife- und Abiturzug. Dies ermöglicht eine optimale Vorbereitung auf die jeweiligen Anforderungen. Die Prüfungen zur Mittleren Reife und zur Fachhochschulreife stehen in Klasse 12 an, das Abitur in Klasse 13.
Für den Hauptschulabschluss muss keine separate Prüfung absolviert werden. Auf Antrag kann im Rahmen eines besonderen Verfahrens ein Hauptschulabschlusszeugnis in der Klasse 10 und unter Umständen bereits in Klasse 9 erteilt werden.
Unsere Schülerinnen und Schüler absolvieren die zentrale staatliche Realschulabschlussprüfung. Schriftliche Prüfungsfächer sind Deutsch, Mathematik und Englisch. Obligatorisch ist in Englisch eine zusätzliche Kommunikationsprüfung. Mündlich werden die Fächer Geschichte und Biologie sowie wahlweise Deutsch oder Mathe geprüft.
Drei Praktika zur Berufsorientierung
Mit der Berufsorientierung in Klasse 11 bietet unsere Schule eine Besonderheit für die Mittlere-Reife-Schüler an. Neben dem regulären vierwöchigen Sozialpraktikum für alle Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse machen unsere Mittlere-Reife-Anwärter zwei weitere Praktika von vier oder sechs Wochen Dauer. Dies ermöglicht ihnen eine vertiefte Orientierung im Hinblick auf ihre spätere berufliche Tätigkeit. Der Realschulabschluss berechtigt zum Beginn einer Ausbildung.
Die Fachhochschulreifeprüfung für Waldorfschulen ist landesweit einheitlich. Voraussetzend für die Zulassung sind die in den Klassenstufen 9 bis 11 absolvierten Praktika. Schriftliche Prüfungsfächer sind Deutsch, Mathematik und Englisch. Das Fach Biologie wird mündlich geprüft. In den Fächern Geschichte, Physik und Bildende Kunst sind die erzielten Jahresnoten Teil der Prüfungsleistung. Neben dem theoretischen Teil haben die Schülerinnen und Schüler einen praktischen Teil zu absolvieren. Prüfungsfächer sind hier Goldschmieden oder Buchbinden oder Plastisches Gestalten.
Im Anschluss Praktikum oder Ausbildung erforderlich
Im Anschluss an die Schulzeit ist ein neun- bis zwölfmonatiges Praktikum oder eine Ausbildung notwendig, um die vollständige Anerkennung des FHR-Zeugnisses zu erreichen. Dieses berechtigt dann zum Studium an einer Fachhochschule in Baden-Württemberg sowie in ausgewählten Bundesländern.
Unsere Schülerinnen und Schüler absolvieren die zentrale baden-württembergische Abiturprüfung, welche bundesweit und international anerkannt ist. Das Abitur ist Voraussetzung für die Zulassung zu einem Hochschulstudium. Schriftliche Prüfungsfächer im Abitur sind Deutsch, Mathematik, Englisch und Geschichte. Drei dieser vier Fächer werden auf Leistungsniveau geprüft, eines auf Basisniveau. Als Basisfach stehen Mathematik oder Deutsch zur Wahl. Englisch und Geschichte sind immer Leistungsfächer. Mündliche Prüfungsfächer sind Biologie und Französisch. In Bildende Kunst und Physik sind die Jahresnoten Teil der Prüfungsleistung. Unser zusätzlicher Seminarkurs kann entweder in Klassenstufe 12 oder 13 freiwillig belegt werden.
Praktische Arbeitserfahrung und berufliche Orientierung
Ein Schwerpunkt der Waldorfpädagogik der Oberstufe ist das „Lernen durch die Praxis“. Deswegen finden in den Klassen 9 bis 11 umfangreiche Praktika statt. Sie geben den Schülern Gelegenheit, sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden, Erfahrungen zu sammeln, Selbstbewusstsein zu gewinnen und zu reifen. Die Praktika dienen auch der beruflichen Orientierung und sind zudem die Voraussetzung für die Zulassung zur Fachhochschulreife-Prüfung in Klasse 12. Alle Praktika werden von der Schule eng begleitet und mit einer intensiven Reflexionsphase abgerundet. Die Berufsorientierung findet in enger Kooperation mit der Agentur für Arbeit statt.
In der 9. Klasse findet ein vierwöchiges Landwirtschaftspraktikum auf einem Bioland- oder Demeterhof statt, auf das die Schüler im Gartenbau-Unterricht vorbereitet werden. Nach ihrer Rückkehr können sie vor Publikum von ihren Erfahrungen berichten und sich als Menschen mit tätig erworbener Fachkenntnis erleben.
In der 10. Klasse ist „praktische Mathematik“ im Rahmen eines zweiwöchigen Praktikums angesagt. Die Schülerinnen und Schüler lernen hier den praktischen Nutzen der Mathematik kennen. Mit professionellen Vermessungsgeräten wird in Gruppenarbeit ein Stück Land vermessen und davon eine Karte gefertigt. Die Qualität und die Relevanz der täglichen Teamarbeit im Freien erweist sich am Abend beim Kartenzeichnen. Auch das Gemeinschaftserlebnis wird durch gemeinsames Einkaufen, Kochen, Essen und besondere Unternehmungen gepflegt.
In der 10. Klasse findet ein dreiwöchiges Berufspraktikum statt. Dieses Praktikum wird von der Agentur für Arbeit begleitet und soll dazu dienen, dass die Schülerinnen und Schüler erste Einblicke in die Berufswelt erhalten und Berufsbilder kennenlernen.
Im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums in sozialtherapeutischen Einrichtungen für Kinder und Erwachsene erfahren die jetzt 17-jährigen Schülerinnen und Schüler, dass sie die Fähigkeit haben, anderen Menschen Schutz und Hilfe zu geben. Die Arbeit mit behinderten Menschen wird von den Schülerinnen und Schüler als sehr intensiv und bereichernd empfunden. Viele kehren später an „ihren“ Platz zurück, sei es in den Ferien oder in einem freiwilligen sozialen Jahr.
Eine Besonderheit in unserem Realschulzug ist die vertiefte Berufsorientierung. Zusätzlich zum Sozialpraktikum absolvieren die Schülerinnen und Schüler zwei weitere Langzeitpraktika, jeweils im Umfang zwischen 4 und 6 Wochen. Damit einher geht eine Berufsberatung durch die Agentur für Arbeit sowie ein Bewerbungstraining. Die Langzeitpraktika haben den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler ein Berufsfeld sehr intensiv kennenlernen und somit bereits erste Weichenstellungen für ihre spätere Berufswahl vornehmen können.